Gottesdienst mit der Theatergruppe

Gottesdienst mit der Theatergruppe

Aus Vorfreude dass es bald wieder weitergehen kann hat die Theatergruppe der Kolpingsfamilie Vilshofen einen Sonntagsgottesdienst gestaltet.

Dabei traten die Hauptfiguren der letzten Theaterstücke auf und zeigten noch einmal die Kernaussagen dieser Stücke auf. Musikalisch begleitet wurde der Wortgottesdienst von der Gruppe „Effata“ aus Kößlarn.

1. Station: Das Gfrett
Birgit: Unser Stück „Das Gfrett“, das wir 2016 gespielt haben, erzählt von Tanja, die sich nichts so sehr wünscht wie ein Kind. Ein Kind wäre das Top-Projekt, die Krönung ihrer eindrucksvollen jungen Karriere. Und gerade weil sie eine fortschrittliche, erfolgreiche Frau ist, will sie dabei nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen will.

Tanja (Susi Bauer):
I woaß gar ned, was alle haben.
Oiss im Leben wird doch sorgfältig ´plant: de richtige Schui, de passerte Ausbildung, des Haus, in des ma einziagn mag. Und akkrat des wichtigste im Leben, des eigene Kind, soll dem Zufall überlassen bleiben?
Und des bei de heutigen Möglichkeiten?
I hab Angst vor am Kind, des krank is,
wo vielleicht scho von Anfang an irgenda Krankheit drin schlummert, die vui, vui später amoi ausbricht.
I hab Angst davor, dass mei Kind amoi benachteiligt ist,
weil´s ned so gscheit, ned so gsund, ned so guat ausschaut.
Wenn i a Kind mag, dann mag i oiss wissen, was drinsteckt in eam,
damit ma rechtzeitig gegensteuern kann.
Schließlich is´s ja mei Kind.
Ursula: Tanja wird noch Augen machen! Auch wenn die pränatale Diagnostik große Fortschritte gebracht hat, ist ein Kind etwas Anderes als eine „Fertigsuppe“, bei der man nachweisen kann, was drinsteckt. Leben ist immer mehr.
Benedikt: Was ist, wenn ihr Kind behindert ist?
Birgit: Trisomie 21 ist vor der Geburt nachweisbar, dazu verschiedene schwere Erbkrankheiten wie Mukoviszidose. Pränatale Tests, die das Risiko auf Bluthochdruck oder Diabetes bestimmen, sind noch verboten. Aber die Forschung lässt sich nicht aufhalten.
Ursula: Und plötzlich steht Tanja vor der quälenden Frage: Mit welchen genetischen Voraussetzungen soll mein Kind zur Welt kommen – und ab wann sage ich NEIN zum Kind mit allen Konsequenzen?
Benedikt: Leben ist ein Geschenk.

2. Station: Handicap 4

Max: 2016 erzählte das Kolpingtheater im Stück „Handicap 4“ von der rüstigen Wirtin Gerda. Sie hat ihr Lokal im Griff, kann sich in der Gastronomieszene durchsetzen, bis jene unheilvolle Nacht kommt, nach der nichts mehr so war wie vorher.

Gerda (Gisela Ratzinger): Um´s gleizum sagen, i hab nix trunka und i hab aa koan anderen an Schadn zuagfügt. I war z´schnell dran. Ned weil´s mir pressiert hat. Sondern einfach so. Weil mei Auto des hergeben hat. Naja, i hab halt dann die Kurvn unterschatzt.
I bin selber schuid, i woaß´s scho.
Aber, ihr müssts wissen: i war immer selbständig. Mei Restaurant, des hab i mir durch mei eigene Leistung auf´baut. Hab nia eppan braucht, sondern hab mi alloa durchs Leben g´kämpft. Des Schlimmste für mi is, dass i iatz immer eppan brauch. Zum Auswaschen, Anziagn, Baden brauch i eppan. Wenn i was aus am Regal holen möcht, brauch i eppan.
Selbst wenn i auf´s Klo möcht, brauch i eppan.
Und i wollt doch nia von eppan abhängig sei.
Gabriel: Gerda ist nicht allein.
21.700 Männer sind im Jahr 2019 in Deutschland nach einem Verkehrsunfall schwerbehindert geworden. Und dazu rund 8.300 Frauen.
Max: Es kann ständig was passieren. Egal, ob du aufpasst oder nicht. Über Nacht kann alles ganz anders sein.
Gabriel: Vielleicht ist es eine Diagnose, ein Anruf, eine Sache, die mal so klein anfängt die die Coronapandemie. Und über Nacht ist alles anderes.
Max: Leben ist einfach nichts für Feiglinge.

3. Station: In ein anderes Kostüm schlüpfen


Ursula: Ich bin beim Kolpingtheater von Anfang an mit dabei und habe dabei so einige Rollen ausprobiert:
Manche Rolle passt zu mir wie mein anders Ich – und es war, als bräuchte ich mich nur selber zu spielen.
Andere Rollen haben mich anfangs erschreckt. Das bin ich doch nicht. So will ich mich doch nicht den Leuten zeigen.
Dann habe ich gemerkt, dass es Spaß macht, gerade diese ungewohnten Rollen zu spielen, weil es da vielleicht doch eine verborgene Seite in einem gibt, die dieser Rolle nahekommt.
Eine Rolle zu spielen – das tut man nicht nur im Theater?
Das ist Alltag.
Schon morgens vor dem Kleiderschrank beginnt die Qual der Wahl: Welche Rolle ist angesagt?
Freizeit- oder Schlabberlook, offizielles Arbeitsdress,
Kleidungsstücke, die mir Sicherheit geben und in denen ich ganz „Ich selber“ bin?
Will ich durch mein Outfit Aufmerksamkeit erregen oder vielleicht provozieren,
will ich durch meine Kleidung etwas ausdrücken?
In vielen Rollen bin ich tagtäglich unterwegs: Mutter, Oma, Freundin, Bekannte, Vereinskollegin, Vertraute, Kollegin, Organisatorin, Motivatorin, Managerin, Trösterin, Beraterin, Köchin, Gärtnerin, Nachbarin und, und, und……
Faszinierend, wie viele Rollen unter meinem Namen Platz finden.

4. Station: Die Millionenoma

Sabine: In unserem allerersten gemeinsamen Stück, das wir 2013 auf die Bühne gebracht haben, ging es um Oma Winkler, die keinen Platz mehr in ihrer Familie hat und in ein Altenheim soll.

Oma Winkler (Heidi Kapfhammer):
I hab´s g´merkt, dass was anders wird, wia i koa Aufgab mehr g´habt hab.
Wie mei Bua g´heirat´hat, hab i no g´arbeit´.
Und wia der Mo krank worden is, hab i eh zum doa g´habt: Arbeit, Haushalt, dann die Pflege dahoam, bei mir is koa Sozialstation ins Haus kemma. Des hab i scho oiss selber g´macht.
Und dann bist halt amoi alloa.
I moan, ned ganz alloa.
Am Anfang hab i auf d´Enkerl aufpasst, des war wichtig, weil mei Sohn und sei Frau beide in der Arbeit waren, um des Haus abzahln zum könna, in des mir dann zogen san. Aber wia dann die Kloane koa Mittagessen mehr braucht hat,
hab i nix mehr zum doan g´habt.
Meiner Schwiegertochter war´s recht, denn mit ihra neua Küch bin i auf Kriegsfuaß g´standen. Dera glangert der Thermomix, moan i. Und irgendwann hab i g´merkt, de brauchan mi nimmer.
Des sagt natürlich koana so.
Aber g´spürn tust as, dass für alle leichter wär, wenn ma nimmer da wär. Des g´spürt ma einfach, wenn ma nimmer braucht wird.
Sabine: Viele, die in der Nachkriegszeit aufgewachsen sind, mussten sich über Leistung definieren. Solange ich etwas beitragen kann, solange bin ich etwas wert.
Im Umkehrschluss heißt das aber leider: Wenn ich aber mal nichts mehr leisten und beitragen kann, was bin ich dann noch wert? Bin ich dann eine Belastung? Für die Kranken- und Pflegekassen? Für die Gesellschaft? Für die Familie?
Wer bin ich dann noch?
Bin ich dann überhaupt noch …. wer?

5. Station: Jakob weg!

Gabriel: 2017 kam ein gewisser Herr in den besten Jahren mit Namen Jakob durch unsere Stadt. Er geht zu Fuß mit Wanderstock und Rucksack. Und er will weg. Weg von daheim. Weg von dem, was ihm an Familie geblieben ist. Weg in die Schweiz. Aber nicht, um dort die Berge zu genießen, sondern um Schluss zu machen.

Jakob (Peter Kapfhammre):
I sag´s enk glei, i brauch euer Zustimmung ned.
I frag euch ned und I frag koan mehr. Gar koan mehr.
I hab´s g´seng, wia´s oam geht, wenn de Ärzte so komisch schaun, wenn´s an Befund in der Hand haben. I kann´s deuten, was oam sagen wolln, wenn´s bloß no Fachchinesisch reden.
I hab´s d´erlebt bei meiner Frau gottselig. Mir haben uns denkt, wenn mir oi zwoa in Rente san, nacha mach ma´s uns schee.
A Wohnmobil wollt i uns kaufa, mit dem ma d´Welt abfahrn. Und dann is die Diagnose kemma.
Bei ihr.
Und dann a paar Jahr später aa bei mir.
I hab mir g´schworen, dass i des ned mitmach, was mei Frau mitg´macht hat.
Nia im Leben.
Es gibt da so an Verein in der Schweiz. De helfan oan. Und zwar richtig.
Ursula: Menschen wie Jakob brauchen jetzt alle Hilfe. Ein ganzer Kerl wie Jakob will sein Schicksal mit sich selber ausmachen. Will keinem zumuten, ihn als totkranken Menschen zu erleben. Und ein hoffnungsvoller Pflegefall zu sein, der vielleicht eines Tages an der Schmerzpumpe hängt, das will er schon gar nicht.
Birgit: Menschen wie Jakob brauchen unseren Respekt, unser Feingefühl neben allem medizinischen Knowhow. Vielleicht brauchen sie auch heilsame Begegnungen mit Familienangehörigen, Freunden oder einem guten Seelsorger, um inneren Frieden zu finden.

6. Station: Der Beleuchter

Thomas:
Ich gebe zu, dass ich nie als Schauspieler auf der Bühne gestanden bin.
Könnte ich auch gar nicht, denn wenn ich auf der Bühne wäre, dann wäre diese ganz finster.
Ich bin nämlich der Mann an der Beleuchtung. Ich sitze an den Scheinwerfern.
Von wegen: das kann jeder.
Beleuchter zu sein bedeutet mehr, als nur das Licht ein und auszuschalten.
Meine Aufgabe ist es, die Figuren in ein besonderes Licht zu stellen.
Sie kennen das aus dem Alltag:
Es gibt Personen, die stehen im Rampenlicht, und wenn sie es nicht haben, dann suchen sie es. Andere stehen im Schatten, werden gerne übersehen und verdienen es, dass man mal den Spot auf sie richtet. Dann gibt es Menschen, die werden ständig in einem bestimmten Licht dargestellt.
Man sieht dann nur die eine Seite an ihnen. Leider nur die eine Seite.
Es gibt auch Filter, die man auf Scheinwerfer tut: auch das kann die Sicht auf Menschen verändern.
Sehe ich sie wie durch die „rosa Brille“?
Sehe ich sie ganz in „rot“, und ich merke wie mir die Wut aufsteigt?
Sehe ich sie in „blau“, sachlich, unterkühlt, distanziert?
Einige in unserer Umgebung blenden ganz stark. Dadurch verhindern sie, dass man genauer hinschaut. Andere werfen einen großen Schatten, in dem man auch kein Profil entdecken kann.
Ja, es ist nicht leicht Beleuchter zu sein. Es ist eine Kunst, jemanden in ein besonderes Licht zu stellen.
Auf der Bühne wie im Alltag.

Seid ihr gespannt auf ein neue Theaterstück? Im Leben kommt es ja manchmal anders als geplant, das haben wir ja jetzt alle erfahren. Aber wenn es so kommt wie geplant, dann dürft ihr euch noch heuer (2021) auf ein neues Kolping Theaterstück von Andreas Kindermann freuen!

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